Leadership 2020: Jenseits von Männerbündelei und Weiblichkeitswahn

Letztes Jahr wurde ich vom Herausgeber der Austrian Roadmap 2050 eingeladen, einen Bericht über Female Leadership zu verfassen. Fünf Männer, ich und ein Thema, zu dem ich eine starke persönliche Position vertrete. Im Sinne des Auftrages galt es natürlich, diese hintan zu stellen. Hier und heute nehme ich mir den Raum, meine Haltung zu teilen.

Warum sprechen wir über Female Leadership?

Ist es nicht eigentlich bedenklich, dass es im Jahr 2020 noch immer Veranstaltungen zum Thema Female Leadership (Anm.: ich habe noch nie eine besucht!), dass es diese Trennung von „Mann: böse“ und „Frau: viel besser“ und auch, dass es eine „Frauenministerin“ gibt. Ich kenne mindestens genauso viele großartige männliche Führungspersönlichkeiten wie weibliche. 

Leadership trennt nicht nach Geschlecht. Wichtig ist nicht, ob man Frau oder Mann ist, sondern ob man die Eigenschaften besitzt, die heute und in Zukunft gefragt sind. Das sind zum Teil Eigenschaften, die gemeinhin als eher weiblich bezeichnet werden, die aber jeder und jede haben kann. 

Gesucht sind Persönlichkeiten mit einer hohen emotionalen Intelligenz (Empathie), einer treffsicheren Intuition, mit Lernbereitschaft, Weitblick, einer raschen Auffassungsgabe und der Fähigkeit, gemeinsam Lösungen für komplexe Probleme zu entwickeln. Menschen, die sich offen und ehrlich austauschen, eine transparente und authentische Kommunikation sowie den konstanten Dialog pflegen. Sie geben Orientierung, aber auch Freiraum. Sie ermutigen, unterstützen, finden die Balance zwischen fordern und fördern, glauben und vertrauen MitarbeiterInnen und Teammitgliedern und befähigen zur Eigenverantwortung. Sie treffen Entscheidungen und scheuen sich nicht davor, auch mal „die Pferde zu wechseln“, wenn es denn sein muss. Sie kollaborieren, anstatt zu konkurrenzieren. Das heißt auch, vermeintliche Kontrolle abzugeben und bislang unkonventionelle Kooperationen einzugehen. 

All das ist von Männern und Frauen gleichermaßen zu erwarten. Ob jemand das Zeug zur Führungspersönlichkeit hat, hängt weder mit dem Geschlecht, noch nicht mit dem Geburtsjahr und der Position im Organigramm zusammen. Führung ist eine Haltungs- und keine Alters- oder Genderfrage.

Haltungsnote

Apropos Haltung: Um Haltung und Werte, und nicht um Technologie, geht es auch bei der digitalen Transformation. Das wurde nicht zuletzt beim 2. Dialogforum der Bertelsmann-Stiftung zur „Zukunft der Arbeit“ zum Thema „Führung in Zeiten der Digitalisierung“ im März 2019 festgestellt. Digitale Transformationsprozesse scheitern nicht an fehlender Technologie oder schlechten Ideen, sondern am Faktor Mensch.

Leadership wird auch in Zukunft kein Computer übernehmen und nicht durch künstliche Intelligenz ersetzt werden! Leadership ist eine bewusste und selbstverständlich gelebte Haltung.

Hervorragende Führung beginnt immer bei uns selbst

Das Sichtwort lautet: Selbstführung. VISA Gründer Dee Hock weiß:

„Wenn Du ein Leader werden möchtest, investiere mindestens 40% Deiner Zeit, Dich selbst zu führen.“  

Wir können andere nicht führen, wenn wir uns selbst nicht führen können. Erfolgreiche Selbstführung erfordert ein tiefgreifendes Verständnis über sich selbst, über die eigenen Werte sowie die persönliche Führungs-Kraft und Selbstmotivation. Was sind meine Stärken? Wo liegen meine Schwächen und kann ich zu ihnen stehen? Was nervt mich? Wie kann man mich bestmöglich unterstützen und was ist mir (im Alltag und der Zusammenarbeit) wichtig?

Schreib mir gerne, wenn du persönlich tiefer in das Thema einsteigen oder
Leadership in deiner Organisation stärken willst!

 

Ich denke, es ist Zeit, daran zu erinnern: Die Vision des Feminismus ist nicht eine „weibliche Zukunft“.
Es ist eine menschliche Zukunft.
Ohne Rollenzwänge, ohne Macht- und Gewaltverhältnisse.
Ohne Männerbündelei und Weiblichkeitswahn.
Johanna Dohnal

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