Girls just wanna have… FUNDS?! Part 3

Weiter aufwärts, Korrektur oder Crash? Wie es an den Börsen weitergeht.
Blutbad an der Börse! An den weltweiten Aktienmärkten läuft am die Ausverkaufswelle mit hohem Tempo weiter.
Bitcoin-Kurs fällt unter 50.000 US-Dollar: Das Ende der Rallye-Gaudi?
Schlagzeilen, Februar 2021

Wie geht es dir, wenn du diese Schlagzeilen liest? Zuletzt habe ich dich darauf hingewiesen, dass Vermögensaufbau, Investieren und Veranlagung mit Arbeit verbunden ist: insbesondere mentaler und spiritueller Arbeit. Gier, Angst, Panik, Euphorie – diese Gefühle werden dir mitunter begegnen. Wie gehst du damit um?

Noch einmal meine wichtige Botschaft an dich: Die wichtigste Investition deines Lebens ist die Investition in dich selbst. Investiere in deine persönliche und spirituelle Entwicklung, deine mentale und körperliche Fitness, deine Gesundheit, deine Beziehungen. Ich wage zu behaupten, dass jeder erfolgreiche Mensch ein Team an Coaches, MentorInnen, TrainerInnen, TherapeutInnen, LehrerInnen, BeraterInnen… hat und dass er sich irgendwann mit dem Thema Geld auseinandergesetzt hat (und es vielleicht sogar stetig tut).

Du kannst reich sein, dich aber innerlich arm fühlen.

In diesem letzten Beitrag meiner Geld-Trilogie will ich mit dir Zahlen, Daten und Fakten aus Studien, Statistiken, Umfragen, der Historie und Interviews teilen. Vielleicht regen sie dich zum An- und Umdenken an. Vielleicht erweitern sie deinen Horizont – auf jeden Fall dein Wissen in Finanzfragen. Vielleicht lassen sie dich Vorurteile überdenken und hartnäckige Glaubenssätze in Frage stellen.

Viel Spass 😉

Zahlen, Daten, Fakten

¾
der Bevölkerung Österreichs zeigen am Thema Aktien kaum bis gar kein Interesse. Österreicherinnen und Österreicher haben generell wenig Selbstbewusstsein in Finanz- und Wirtschaftsfragen und Frauen interessieren sich nochmal deutlich weniger für Wirtschafts- und Finanzthemen. Das zeigt eine Studie der Börse Wien.

6% der Frauen, 17% der Männer
hierzulande besitzen Einzelaktien. Das zeigt eine im März 2019 veröffentlichte, repräsentative Umfrage. Österreichs AnlegerInnen meiden Aktieninvestments.

Etwa 4,5%
ist die Aktienquote privater Haushalte in Österreich. Wir liegen nicht nur europaweit unter jenen Staaten mit dem geringsten Aktienbesitz. Wir bilden das Schlusslicht.
(Anm.: Die Aktionärsquote definiert, wie viel Prozent der Bevölkerung im direkten oder indirekten Besitz von Aktien sind. Als der indirekte Besitz von Aktien zählen zum Beispiel aktive/passive Aktienfonds oder auch Aktien-ETFs.)
Zum Vergleich: In den umliegenden EU-Ländern liegt die Aktienquote bei ca. 15-20%. Belgier und Spanier haben ein Fünftel ihres Vermögens in Aktien veranlagt, Finnen gar 34 Prozent. In den USA, Norwegen oder der Schweiz liegt die Aktienquote bei 30-50%.

91%
jener Österreicherinnen und Österreicher, die bislang keine Aktien besitzen, sind auch nicht am Erwerb von Wertpapieren interessiert.

65%
der Nicht-Aktienbesitzern geben laut einer aktuellen Studie des Deutschen Aktieninstituts an, Aktien seien zu riskant und der Markt wird von Spekulanten beherrscht. Sie fürchten, mit Aktien mehr zu verlieren als zu gewinnen. Bestätigt fühlen sie sich durch die Dotcom-Blase um das Jahr 2000 und die Finanzkrise 2008, als es Verluste von bis zu 60 Prozent gab.

2,7 Millionen
AktionärInnen gab es laut dem Deutsche Aktieninstitut im Jahr 2020. Jeder Sechste in Deutschland sei im Besitz von Aktien, Fonds oder ETFs – das gab es zuletzt 2001. Besonders die Gruppe der unter 30-Jährigen war im Corona-Jahr sehr aktiv. Fast 600.000 junge Erwachsene wagten nach dem Corona-Börsen-Crash im März 2020 den Schritt in den Aktienmarkt – eine Steigerung von knapp 70% im Vergleich zum Vorjahr. Zweifelsohne suchen vielen von ihnen das schnelle Geld an der Börse und glauben, aufgrund fehlender Erfahrung, an immerwährend steigende Kurse.

Atemberaubende Vermögenseffekte
ergeben sich aufgrund der unterschiedlichen Aktienquoten, weiß einer der erfolgreichsten österreichischen Vermögensverwalter und prognostiziert: Die Schere zwischen Staaten mit einem hohem durchschnittlichen Wohlstand der Bevölkerung (etwa USA, Schweiz, Norwegen; also Länder mit hoher Aktienquote) und relativ abnehmenden Wohlstand (z. B. Österreich; also Länder mit vergleichsweise niedriger Aktienquote) dürfte tendenziell weiter aufgehen.

56%
ihres Finanzvermögens halten AmerikanerInnen in Aktien und investieren daher traditionell eine sehr hohe Quote ihres Finanzvermögens in Wertpapiere. Die historische Rendite von rund 10 Prozent lässt vermuten, dass ein Volk, welches vorwiegend in Aktien investiert, ziemlich reich sein sollte. Und genau so ist es auch. Der Zinseszinseffekt verfehlt seine Wirkung nicht.

ATX & DAX
die österreichischen und deutschen Aktien-Leitindizes, befinden sich vorwiegend in der Hand ausländischer Investoren. Mit allen volkswirtschaftlichen Konsequenzen.

6 von 10 Frauen
können regelmäßig Geld zur Seite legen. Das zeigt eine Studie vom Oktober 2020 .

Das Sparbuch
steht bei Herr und Frau ÖsterreicherIn nach wie vor hoch im Kurs, denn ÖsterreicherInnen sind fleißige SparerInnen und setzen auf renditeschwache Anlageformen. Fast die Hälfte des Vermögens österreichischer Haushalte ist auf Sparbüchern geparkt. Unter neun verglichenen EU-Ländern ist der Sparbuchanteil nur in Portugal höher, mit 51 Prozent. Die Rendite des Vermögens selbst ist so mager wie in sonst fast keinem europäischen Land. „Trotz niedriger Zinsen zählt es zu den beliebtesten Anlageformen. Nach der Inflationsbereinigung verliert man beim Sparbuch jedoch Geld“, liest man auf der Website eines österreichischen Bankinstituts. Auch die Statistik der Oesterreichischen Nationalbank zeigt, dass das Geld, das auf dem Sparbuch liegt, „de facto weniger wert“ wird.

€ 16.315,22 
verlierst du an Kaufkraft, wenn du € 100.000 für 10 Jahre auf deinem Sparbuch liegen lässt.
Ein Beispiel:
€ 100.000,- Einzahlung auf ein Sparbuch
Durchschnittliche Inflationsrate (historisch): 1,8 % p.a. 
Durchschnittlicher Zinssatz der Spareinlagen (nach KESt, historisch): 0,22 % p.a. 
Wert der Spareinlagen nach 10 Jahren (nach KESt): € 102.476,37 
Kaufkraft nach 10 Jahren (nach KESt und Inflation): € 83.684,78 
Kaufkraftentwicklung in %: -16,32 % 
Kaufkraftentwicklung:  € -16.315,22 

7-10% pro Jahr
Rendite ist von einem konservativen, breit gestreuten Aktienfonds oder ETF zu erwarten. 

0,6% pro Jahr
Rendite, auf 6 Jahre gerechnet, bietet aktuell ein vollbesparter (€ 7.200) Bausparvertrag, rechnet mir der Vermögensverwalter in der ländlichen Niederlassung eines renommierten Bankinstituts vor. Diese geringe Rendite nimmt aufgrund der Kontoführungsgebühren sogar ab, wenn man weniger als € 7.200 einzahlt!

10 Millionen
Lebensversicherungsverträge gibt es in Österreich. Das, obwohl sich – nach Untersuchungen der Arbeiterkammer und des VKI – sowohl Lebensversicherungen in allen Ausprägungen als auch die staatlich geförderte Zukunftsvorsorge meist als ungeeignet für die Altersvorsorge oder den Vermögensaufbau entpuppen. Zu hohe Kosten für Verwaltung und Beratung belasten das Endergebnis. Außerdem sind die Produkte nicht flexibel genug, um den immer flexibler werdenden Lebensläufen standzuhalten. Und weiter: „Erklärbar sind diese Zahlen nur durch einen provisionsgetriebenen Verkauf und damit, dass die Nachteile noch nicht bei den Kunden angekommen sind.“

1158 €/Monat
So „hoch“ war die Durchschnittspension in Österreich im Jahr 2018. Männer kommen auf einen höheren Durchschnittsbetrag als Frauen. Während bei unseren Großeltern und Eltern noch die besten 15 Einkommens-Jahre (normalerweise steigt das Einkommen im Lauf des Lebens) Basis zur Pensionsberechnung herangezogen wurden, wird heute das gesamte Lebenseinkommen herangezogen. Diese Erhöhung des Durchrechnungszeitraums hat unweigerlich eine Minderung der Pensionshöhe zur Folge. 

2060
werden laut einer aktuellen Studie der OECD in Österreich rund 100 erwerbstätigen Personen, 62 Personen mit einem Alter von über 65 Jahren gegenüberstehen. Doppelt so viele wie heute. Schon heute muss der Bund Jahr für Jahr mehr Geld in das staatliche Pensionssystem pumpen, da die Pflichtbeiträge der Erwerbstätigen nicht ausreichen, das System (also die Pensionen an unsere Großeltern und Eltern) zu finanzieren. 

40%
der Ungleichheiten bei der Altersvorsorge (Stichwort: Altersarmut und Pensionslücke) entstehen durch Unterschiede im Finanzwissen, das zeigen mehrere Studien. Es ist ungewiss und offen, wie hoch unsere Pension einmal ausfallen wird. Entsprechend gilt es, die Lücke zwischen jenem Betrag, den man monatlich in den letzten Lebensjahrzehnten  zur Verfügung haben will (Soll) und dem staatlichen Anteil (Ist), durch kluge Vorsorge und Investitionen zu schließen.

 

Empfehlungen & Tipps

Wenn ich dich mit meinen Beiträgen (hier nochmal der Link zu Beitrag 01 und Beitrag 02) und Ausführungen inspirieren konnte, wenn ich dir Lust aufs Thema Geld gemacht habe und du deine Perspektive ändern willst, freut mich das riesig. Ich werde hier dezidiert keine Produkte, Anlagestrategien, BeraterInnen oder ExpertInnen empfehlen. Wenn du an meinen Erfahrungen und vertiefenden Informationen und Gesprächen interessiert bist, schreib mir! Damit du nicht unbedingt alle Fehler machst, die ich gemacht habe, damit du nicht so viel „Leergeld“ (besser: Lehrgeld!) zahlst (ich habe in Beitrag 2 davon berichtet) und von meinen Erfahrungen profitierst, mag ich dir zum Schluss noch ein paar Empfehlungen und Tipps mitgeben:

  1. Prüfe jede Empfehlung. Prüfe jeden Ratschlag.
  2. Hör‘ unbedingt auf dein Bauchgefühl! Vertrau‘ deiner Intuition.
  3. ExpertInnen haben nicht (!) immer recht. Am Ende des Tages geht es um dich, dein Geld, deine Zukunft. Du musst dich wohl fühlen und kennst dich selbst am besten.
  4. Glaub‘ nicht alles, was du hörst oder liest! Oder: Wem hörst du zu? Wessen Meinung schätzt du?
    • „In zehn Jahren ist Google tot.“ Verleger Christian DuMont Schütte im Jahr 2007.
    • „Von Facebook wird in fünf bis sechs Jahren kein Mensch mehr reden.“ Zukunftsforscher Matthias Horx im Jahr 2010.
    • Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung.“ Kaiser Wilhelm II. um das Jahr 1900.
    • Börsen- & Krypto-Crash-Propheten existieren seit jeher. Mitunter verdienen sie sehr, sehr viel Geld indem sie auf die große Panik der AnlegerInnen, Verkäufe und somit fallende Kurse „wetten“.
    • Auf YouTube gibt es großartigen Content und wunderbar unaufgeregt-ehrliche Personen, die über ihre Erfahrungen, ihre Portfolios o.ä. Leider ebenso viele selbsterklärte ExpertInnen und „Gurus“.
  5. Die Börse ist kein Kinderspielplatz und nein, sorry, auch kein Besuch im Schlaraffenland.
  6. Sprich mit Vertrauten über ihre Erfahrungen und Strategien. Aber: bitte beachte Punkt 1. 🙂
  7. Frag‘ nach Empfehlungen!
  8. Schlafe mindestens eine Nacht darüber, bevor du einen Vertrag unterzeichnest!
  9. Lass dich nicht von Performances der Vergangenheit blenden. Manche Branchen und Unternehmen haben ihre „Goldenen Jahre“ erlebt. An der Börse wird die Zukunft gespielt und gehandelt.
  10. Wenn du dich selbst nicht im Detail und in der Tiefe mit den zahlreichen Möglichkeiten der Veranlagung, mit Produkten, Einzelaktien oder dem Krypto-Markt auseinandersetzen willst (das ist völlig legitim!), such dir einen „Financial Advisor“. (Für AmerikanerInnen ist das übrigens ganz selbstverständlich!). Meine Checklist bei der Auswahl für dich:
    • Er / Sie begegnet dir auf gleicher Augenhöhe.
    • Du triffst dich gerne mit ihm / ihr.
    • Du schätzt sie / ihn persönlich und menschlich. Ihr teile ähnliche Wertvorstellungen.
    • Er / Sie beeindruckt dich immer wieder aufs Neue mit Markt- und Branchenwissen. 
    • Er / Sie versprüht glaubwürdig Leidenschaft und Begeisterung für das Thema Vermögensveranlagung
    • Er / Sie erzählt von seiner / ihrer Anlagestrategie, gibt Einblicke in sein / ihr Portfolio, erzählt von Failures, Learnings und Verlusten.
    • Er / Sie bietet im Idealfall gar keine Eigen-Produkte des Unternehmens an. 
    • Er / Sie erhält keine Provision an den Produkten, die er/sie dir empfiehlt. Warum nicht? Weil er / sie dir dann jenes Produkt „verkaufen“ wird, wo er / sie die höchste Provision (zB von der Fondsgesellschaft oder dem eigenen Unternehmen) erhält. Bezahlen sollst du für die Erfahrung, das Wissen, die Beratung und die Dienstleistungen, mit denen er / sie dich begleitet und unterstützt.
    • Er / Sie weist auf ertragreiche Chancen hin, auch wenn er / sie daran nichts oder nur sehr wenig verdient (Stichwort: Kryptowährungen oder ETFs).
    • Er / Sie drängt dich nicht zum Kauf, zur Vertragsunterzeichnung oder zu einer Entscheidung.
    • Er / Sie legt alle Kosten im Verbindung mit der Veranlagung (Transaktionen, Produkte, Spesen, steuerliche Auswirkungen etc.) transparent offen und zeigt Auswirkungen auf das Ergebnis auf.
    • Er / Sie verspricht keine unrealistisch hohen Erträge mit geringem Risiko. Ein hoher Ertrag bedeutet meist ein höheres Risiko!
  11. Und noch ein letztes Mal: Investiere! In dich und deine Zukunft!

Übrigens: Ja, ich habe Teile meines Vermögens zur Veranlagung ausgelagert und bin meinem Financial Advisor schlussendlich in der, ja, tatsächlich, der Filiale einer der renommierten Österreichischen Banken in der Südsteiermark begegnet! 

Wenn du dich nun auf den Weg machen willst, mir zustimmst, dass Geld bei dir bestens aufgehoben ist, da du entscheiden willst, wofür du es ausgibst, wen und was du damit unterstützt und förderst aber auch, wenn du noch immer Zweifel, Unsicherheit oder Ängste verspürst: schreib mir! Ich freu mich! Denn: siehe Punkt 11 😉

Eine Idee zu “Girls just wanna have… FUNDS?! Part 3

  1. Thorsten Krammer sagt:

    Liebe Frau Gründl,

    vielen Dank für diesen sehr interessanten Beitrag. Ich kann Ihnen zu fast allen Punkten beipflichten, wobei ich mir nicht ganz sicher bin, welche Rolle der Financial Advisor (sehr hippe Bezeichnung) schlussendlich spielt? Geht es darum, dass man mit Hilfe des Advisors gecoacht und an die Thematik heran geführt wird oder lagert man seine Investment Tätigkeiten aus? Ich bin der Meinung, dass man sich am Besten immer noch selbst um diese Angelegenheiten kümmern sollten?

    Ich freue mich auf einen angeregten Austausch!

    Alles Liebe Ihr bewundernder,
    Thorsten Krammer

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