Zurück zur Normalität?

Whereas the heroic manager of the past
knew all, could do all, and could solve every problem,
the postheroic manager
asks how every problem can be solved in a way
that develops other people’s capacity to handle it.
Charles Handy
Irischer Wirtschafts- und Sozialphilosoph

Ist dir auch aufgefallen, dass das „S“-Wort (Anm.: Stress) dieses Jahr weniger oft benutzt wurde als in den Jahren davor? Dafür stellte sich eine neue Sehnsucht ein, die da lautet: „Zurück zur Normalität“. Mancherorts habe ich den Eindruck, dass auf dem Zielbild die Worthülsen „Innovation“ und „Digitalisierung“ nun mit „Zurück zur Normalität“ überschrieben wurden. 

Persönlich stehe ich „Innovation“ als auch „Digitalisierung“ als „Eier legende Wollmilchsäue“ und die „allheilbringende Lösung“ kritisch gegenüber. So auch diesem nahezu sehnsüchtigen Wunsch nach „Normalität“.

Was ist die „Normalität“? Was ist „normal“? Und wer gibt das vor?

Ist das, was für mich normal ist, auch für dich normal? Ist deine Vorstellung von Normalität auch meine? 

Wir erinnern uns: Bevor seit diesem Jahr „Zurück zur Normalität“ in aller Munde ist, wurde über die überlebensnotwendige „Transformation“ und den „Wandel“ gesprochen und diskutiert.  Auch das sollte bitte sofort und gleich geschehen, aber am besten doch alles „beim Alten“ bleiben. Bloß, der Schritt „Zurück zur Normalität“, das Festhalten „am Alten“ mit dem gleichzeitigen Wunsch des „Wandels“, der immer einen mutigen Schritt in ein unbekanntes neues Land, in die Ungewissheit und auch ins „Chaos“ bedeutet, ist ein Widerspruch. In diesem Spannungsfeld befinden sich viele. Persönlich. Als Führungskraft. Als MitarbeiterIn.

Zurück zur Normalität ist keine Option

Jeder Mensch, der sich seiner persönlichen Entwicklung gewidmet und sich intensiv mit dem Leben in all seinen Facetten auseinander gesetzt hat, weiß, dass es sich dabei um einen Prozess handelt. (Anm.: Hier kannst du ein spannendes Interview dazu mit dem Arbeitspsychologen und Gehirnforscher Dr. Hannes Beran lesen). Alle jene, die diese Prozesse begleiten wissen, dass sie am Anfang schwer sind, später chaotisch, am Ende jedoch meinst großartig. Was am Ende keine Option mehr ist? Zurück zur (alten) Normalität!  

Die neue Normalität

Zurück zu einer alten Normalität ist auch für all jene Führungspersönlichkeiten keine Option, die (nicht erst seit diesem Jahr) verstanden haben, dass sie unter Rahmenbedingungen und Herausforderungen agieren, die von Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit (Stichwort VUCA) geprägt ist. Die einzige Konstante ist der Wandel, langfristig ist Planbarkeit kaum noch möglich und der kollektive Bewusstseins- und Wertewandel hin zu einer zukunftsfähigen Wirtschaft und Gesellschaft wird auch die nächsten Jahre dominieren.

(…)when looking at the skill set required in the Fourth Industrial Revolution: complex problem solving, critical thinking and creativity are the three most important skills.
aus: Future of Jobs Report 2020, World Economic Forum

Wer die Zukunft mit gestalten will, versteht sich als „(Unternehmens-)KulturschaffendeR“, „ProzessbegleiterIn“, „Krisen-LeiterIn“, „(Ver)Wandlungs-KünstlerIn“, „Team-TrainerIn“, „Inspirations-Quelle“, „Orientierungs-LäuferIn“, „Potenzial-Entfalterin“ und „VernetzerIn“, denn als starre SystemerhalterInnen.

All das erfordert Mut.
Mut, Gewohnheiten, Prozesse und Altbewährtes in Frage zu stellen.
Mut, zur Lücke und nicht auf jede Frage bereits alle Antworten zu kennen.
Mut, sich auf Neues, Unbekanntes, vielleicht auch Unbequemes (ja, den Wandel) einzulassen.
Mut, sich Ängsten zu stellen.
Und Mut, sich dem Leben in all seinen Facetten zu zeigen.

Auf ein mutiges 2021!

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